SÜDDEUTSCHE
ZEITUNG
NR.84 /13.04.95 |
Der
Fluß der Zukunft
Die ausgezeichnete TV-Dokumentation
über den Mekong.
Dokumentarfilmer
kartographieren die Welt, und es gibt kaum einen Ort, den sie uns noch
nicht gezeigt hätten. Der Mekong, einer der größten Flüsse
der Erde, war einer der letzten weißen Flecken auf dem TV- Globus.
Eine deutsche Gruppe von Filmautoren (Bernd Girrbach, Rolf Lambert, Manfred
Linke und Elke Werry) hatte das Glück, als erstes Filmteam Drehgenehmigungen
von allen Anrainerstaaten zu bekommen. Ein Glücksfall auch für
die Zuschauer.
Vom kleinen Rinnsal auf dem tibetischen Hochland bis zum gigantischen
Flußdelta in Vietnam, wo er schließlich ins Südchinesische
Meer mündet, haben die Autoren den Fluß bereist. Herausgekommen
ist kein Reise- TV und kein Abenteuerbericht, sondern das spannende Porträt
einer Region im Aufbruch. Der Mekong, die Lebensader Südostasiens,
als Band, der die sich öffnenden Anrainerstaaten zusammenbringt:
Ein "goldenes Viereck" planen China, Laos, Burma und Thailand
- kein Viereck der Drogen, sondern eines des Handels, des Tourismus, der
Modernisierung. Der Fluß soll endlich genutzt werden, die Chinesen
möchten ihn zu einer "Warenautobahn" ausbauen. Wir bekommen
das Bild eines Flusses zu sehen, den es so unberührt und ökologisch
intakt bald nicht mehr geben wird.
Wunderschöne Bilder haben die Filmemacher von der Landschaft eingefangen,
auflockernde Abstecher in Kultur, Religion, und Geschichte eingefügt.
Im Mittelpunkt aber stehen die Menschen, die am Fluß wohnen und
von ihm leben. Einfühlsam begleitet die Kamera den Händler Zong
Wü, den Käpitän Xieng, die Goldwäscherin Thip; läßt
sie von ihrer Familie, von ihrer Arbeit und manchmal völlig Nebensächlichem
plaudern, das mehr über das Leben am Fluß verrät, als
es angestrengte Kommentare vermögen.
Überhaupt der Kommentar: ein unverkrampfter, manchmal angenehm beiläufiger
Tonfall zeichnet ihn aus. Nicht schwärmerisch, nicht polemisch, nicht
anprangernd. Die Menschen erzählen auch am besten selbst von ihren
Problemen: die ersten Dämme sind gebaut; Felder überflutet,
die Fische bleiben plötzlich aus. "Wenn wir jetzt nicht anfangen,
etwas zu tun", sagt der laotische Fischer Noumai, "werden unsere
Kinder bald keine Zukunft mehr haben." Die Zukunft am Mekong, das
ahnt der Zuschauer, wird Menschen wie dem chinesischen Ingenieur Chen
gehören, der strahlend von den 14 Dämmen erzählt, die seine
Regierung noch bauen wird: "Die anderen werden noch größer
und noch besser."
KAI STRITTMATTER
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DIE
ZEIT
14.04.95 |
Für
immer fließen lassen
" Mekong"
Opas Fernsehen
hatte ja doch seine Reize. Die Ruhe zum Beispiel. Die fahrende, schweifende,
verharrende Kamera, deren Blick von keinem Schnitt unterbrochen wurde.
Die wiedererkennbare Hauptfigur, die sanft durch den Film leitete. Die
geheimnisvolle und doch väterliche voice over, die sagte, was zu sagen
war. Und eine Musik von echten Instrumenten, die noch schallten und sangen.
Heute ist die Ruhe hin. Wenn der Zuschauer nicht bald den nächsten Schnitt
verpaßt kriegt, besorgt er ihn sich selber,. indem er auf der Fernbedienung
zappt. Wenn er eine Figur wiedererkennt, beginnt er zu gähnen; und die
voice over, der alleswissende Ton aus dem Nichts, ist höchstens Woody
Allen noch gestattet - und der dreht fürs Kino. Im Fernsehen will man
zu jeder Stimme die Nase sehen. Und man bevorzugt Computermusik.
Ist das wirklich so? Aber nein - Der Zuschauer von heute will Tempo und
Ruhe. Vielfalt (des Programms, der Stile) führt zu Differenzierung, und
das heißt beim Femsehen: Was früher das Gesamtprogramm prägte, findet
sich heute als Spezialität. Sicher, man muß suchen, und das ist lästig.
Dafür entdeckt man dann manchmal Dinge, auf die man nicht gefaßt war.
Zum Beispiel "Mekong", ein Vierteiler, dessen Hauptdarsteller ein 4900
Kilometer langer Fluß ist, ein großes, ruhiges, noch unbegradigtes und
völlig reines Wasser, das sozusagen kongenial von Bernd Girrbach plus
Team verfilmt worden ist: ruhig, klar, mit dem Atem alter Kulturfilme,
die noch alle Zeit der Welt hatten und einst im Kino vor dem Hauptfilm
liefen.
Girrbach und
Co. haben gegen viele Hindernisse auch politischer Natur ankämpfen müssen,
ehe sie in Tibet, Laos, Kambodscha und Vietnam Dreherlaubnis und Unterstützung
erhielten. Die Mühe hat sich gelohnt. Entstanden ist eine Natur- und Kulturgeschichte
Indochinas, wie sie so nur in Opas Fernsehen möglich ist: die Kolonialzeit,
der Krieg, die Zerstörung, der Neuaufbau, die Tradition, die Armut, die
Hoffnung: Das alles wird Bild, große Photographie, wird "Story" durch
die wiedererkennbare Hauptfigur, die durch den Film leitet und ihr Leben
erzählt. Die Welt soll immer kleiner werden und immer homogener? Von wegen.
In Laos regiert, heißt es, eine sozialistische Partei, die marktwirtschaftlich
orientiert ist. In Wahrheit regieren Armut und uraltes Herkommen. Ein
Priester spricht: "Laßt den Mekong fließen, so wie er ist, für immer",
und drückt damit aus, wie die Fischer und Bauern und Mönche fühlen. Aber
vor kurzem wurde hier die erste Mekong- Brücke eingeweiht, ein Wasserkraftwerk
soll gebaut werden. Die Zukunft rückt an, und die Welt wird doch kleiner.
"Mekong" ist eine Koproduktion vom Bayerischen Rundfunk, Südwestfunk und
Westdeutschen Rundfunk. Versäumen Sie diese Sendungen nicht, werfen Sie
doch einmal einen Blick auf die Tempel von Angkor, seien Sie dabei beim
Wasser- und Fruchtbarkeitsfest am Fluß und bei der Vorstellung des "Kulturbootes",
eines schwimmenden Tourneetheaters. Staunen Sie über die Spannung, die
aus der Ruhe kommt.
Barbara Sichtermann
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FRANKFURTER
ALLGEMEINE ZEITUNG /
30.01.99 |
Sesam
öffnet sich
Reise ins Rätsel-Reich:
"Das verschlossene Libyen" (Bayern)
Nicht nur die Islamische Republik Iran, auch das revolutionäre Libyen
feiert in diesem Jahr Jubiläum: Vor dreißig Jahren ergriff
der glühende arabische Nationalist Oberst Gaddafi, ein Anhänger
Nassers, die Macht und krempelte sein Land - bis dato eine Monarchie traditionalistischen
Zuschnitts - von Grund auf um. Gaddafi schuf die "Volks-Dschamahirijja",
den basisdemokratischen, nach eigenem Verständnis sozialistischen
"Volksmassenstaat". Das Image des Landes blieb bis heute schlecht:
Vorwürfe, es unterstütze den internationalen Terrorismus ("La
Belle" "Lockerbie") sind bis heute nicht widerlegt worden.
Doch neue politische Entwicklungen im Land geben den Blick frei. Erstmals
durfte ein deutsches Fernsehteam ausführlich in Libyen drehen. Das
Ergebnis sind zwei einstündige Berichte, die die Politik nur implizit
darstellen, sich dafür mehr um Land und Leute konzentrieren. Der
Zweiteiler wird am 30. Januar und am 6. Februar im Bayerischen Fernsehen
zu sehen sein. Gaddafis Person wird nur beiläufig erwähnt, in
den beiden Filmen entsteht aber ein faszinierendes Panorama eines Landes,
in dem sich - nicht zuletzt dank der umfangreichen Öleinnahmen -
vieles gewandelt und modernisiert hat, aber auch alte Lebensformen und
Traditionen noch immer gepflegt werden.
Die Zuschauer werden in den Berichten nicht von allwissenden Autoren belehrt,
sondern auf unterhaltsame Weise informiert. Es sind Reportagen im besten
Sinne. Im Mittelpunkt stehen Menschen, deren jeweilige Lebenswirklichkeit
auch von der Gegend abhängt, in der sie leben; und die Autoren lassen
die Menschen weitgehend selber sprechen. Da ist der Kamelhändler
Ahmed in Tripolis, der "Teilzeitnomade" Musa am Rande der Wüste,
der zum Volk der Berber gehört; dann Ali Isa vom früher so stolzen
Stamm der Tuareg, Der keine Kamele mehr verkauft, sondern mit dem Lastkraftwagen
über Wüstenpisten fährt. In Sebha begleiten die Autoren
eine junge Ärztin, die sich auch als Anwalt der Frauen versteht.
In Tripolis schliesslich begegnen sie einer jungen Modeschöpferin,
die bei Cardin in Paris ihr Handwerk gelernt hat und nun traditionelle
Trachten der Libyer zu moderner Mode verarbeitet.
WOLFGANG GÜNTER LERCH
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SÜDDEUTSCHE
ZEITUNG
30/31.01.99 |
Nicht
jeder wird Terrorist
Samstag:
Beginn einer zweiteiligen Dokumentation über Libyen
20:15 BR. Der große Revolutionsführer kommt nur als Wand bild vor, und
der Zuschauer stellt fest, dass nicht jeder in Libyen zum Terroristen
ausgebildet wird. Im Gegenteil: Da gehen die Leute tatsächlich normalen
Berufen nach, als LKW-Fahrer, Bauer, Modedesignerin und städtischer Angestellter,
oder - etwas exotischer als Kamelhändler. Und weil dazu noch eine geradezu
überwältigende Landschaft gehört, mitsamt Meer, Wüste, Ruinenstädten und
Steinzeit-Graffiti, scheint Libyen nach diesem Doku-Zweiteiler geradezu
prädestiniert, der nächste heiße Touristentip zuwerden (vom Nachtleben
einmal abgesehen). Die filmische Rundreise durch den Ölstaat Khadhafis
sei, so die Produzenten, der weltweit erste umfassende Fernsehfilm über
dieses unbekannte Land. Jedenfalls haben die Filmemacher soviel Material
in die zwei Teile gepackt, daß man häufiger einhalten wollte, um mehr
zü erfabren über das eine oder andere. Was genau hat es mit den wandernden
Wüstenseen auf sich? Unterstützte Oberst Khadhafi nicht die malerischen
Tuareg in ihrem Aufstand in Mali und Niger? Auch zum großen "menschengemachten
Fluß", Libyens Vorzeigeprojekt, hätte man gerne noch mehr gehört. Der
Film konzentriert sich auf Menschen und ihren Alltag, herausgekommen sind
ethnologische, historische oder soziologische Impressionen, die ein interessantes,
dabei aber unpolitisches Bild Libyens ergeben. Dieses Manko wird jedoch
verständlicher, wenn man bedenkt, daß einKamerateam in Libyen praktisch
keinen Schritt.tun kann, ohne mindestens einen "Fremdenführer", "Übersetzer"
oder anderen freundlichen Aufpasser an seiner Seite zu haben, der dafür
sorgt, daß nur das passende Bild in den Film kommt. (Der zweite Teil folgt
näch sten Samstag, 20.15 ühr.) PETRA STEINBERGER,
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MANNHEIMER
MORGEN
01.02.99 |
Wertvoll
Von Petra Hirschel
"Libyen - Reise in ein unbekanntes Land (1)" (BR 3): Terrorismus, Waffenfabriken,
Gaddhafi - in der westlichen Welt hat Libyen ein schlechtes Image. Doch
was wissen wir wirklich über diesen Wüstenstaat? Über seine Menschen,
seine Kultur? Wenn wir ehrlich sind: Fast nichts. Um so wert-. voller
ist daher die zweiteilige Dokumenta-. tion üher den nordafrikanischen
Staat. Erstmals gelang es einem Filmteam, eine fast uneingeschränkte Drehgenehmigung
zu erhalten und so die libysche Gesellschaft aus einem anderen Blickwinkel
heraus zu portraitieren. Die Autoren rücken die Politik weitgehend in
den Hintergrund. Was sie interessiert, ist nicht der umstrittene Gaddhafi,
sondern der Alltag des Beduinen-Volkes. Sie begleiten einen Kamelhändler
auf den Viehmarkt, folgen einem Lkw fahrenden Tuareg, schauen in die Zelte
von "Teilzeitnomaden" und unterhalten sich mit einem Händler. Es sind
die Menschen (ausschließlich Männer), und nicht die Autoren, die über
ihr Leben erzählen. Und so gelingt es, Sympathie für ein unbekanntes Volk
zu wecken. ,
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FRANKFURTER
ALLGEMEINE ZEITUNG /
08.05.00 |
Märchenland
Zeitreise durch die Wüste:
"Drei Wege nach Samarkand" (Arte)
Timurs Metropole, die Stadt Samarkand, bildet den Knotenpunkt für
die dreiteilige Dokumentation "Drei Wege nach Samarkand". Es
ist eine charmante Idee von Rolf Lambert und Bernd Girrbach, den Zuschauern
die Region zu erschließen, indem drei Reiserouten vorgestellt werden.
Der erste Teil, der am Wochenende gezeigt wurde, war die "Spur des
Propheten" überschrieben. Er zeichnete den Weg nach, den der
Islam im siebten Jahrhundert genommen hatte: durch die Wüste Karakum,
wo die einstigen Nomaden unter der Herrschaft des Sowjetreichs in die
Sesshaftigkeit gezwungen wurden, zogen die Araber weiter in das antike,
inzwischen verfallene Merv, das im Jahr 673 als ihr erstes Heerlager fungierte.
Von der Oasenstadt Merv aus, die heute völlig verfallen ist, begann
die Islamisierung Zentralasiens ins Kernland hinein.
Inszeniert war der Film als Duo für zwei Stimmen: Eine Sprecherin
und ein Sprecher wechseln sich bei den Erklärungen ab. Deutlich wurde
in der ersten Folge, dass die Menschen Zentralasiens heute einen Islam
praktizieren, der weniger fundamentalistische Züge aufweist, sondern
vielmehr auf unterschiedliche Weise durchsetzt ist von Volksbräuchen,
Aberglauben und Mystik. "Drei Wege nach Samarkand" ist eine
sorgfältig recherchierte manchmal fast didaktisch anmutende, aber
nie aufdringliche Dokumentation,
SlLKE SCHEUERMANN
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AUSBURGER
ZEITUNG
07.10.00 |
Als
Samarkand leuchtete
Dreiteilige
Dokumentation des BR stellt Kultur und Menschen Zentralasiens vor
Von unserem Redaktionsmitglied Rupert Huber
Alle Wege führen nach Rom; sagt man: In Zentralasien gab man sich bescheidener.
Da sind es drei bedeutende Wege, die zum Ziel führen. "Drei Wege nach
Samarkand" ist deshalb eine dreiteilige Kulturdokumentation betitelt,
deren erster Teil "Die Spur des Propheten" an diesem Samstag um 20.15
Uhr im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wird. Zentralasien verbindet
Orient und Okzident. Wie eine riesige Region ihren Weg sucht zwischen
sowjetischem Erbe, westlichem Einfluss und ihren orientalischen Wurzeln,
das zeigen die drei jeweils einstündigen Filme. Gedreht hat sie die kleine
Heidelberger Produktionsfirma "Along Mekong". Im Mai hatte bereits arte
die Produktion gesendet. Von der Ausstrahlung zur besten Sendezeit am
Samstagabend erhoffen sich BR,wie Produktionsfirma respektable Einschaltquoten
. Uns ging es darum, die kulturelle Einzigartigkeit dieser Region zu zeigen,
aber auch die Menschen, die in ihr leben", erzählt Bernd Girrbach, der
zusammen mit Rolf Lambert das Konzept der Reihe entwickelt und Regie geführt
hat. Über ein halbes Jahr wären Lambert und Girrbach in den fünf zenträlasiatischen
Staaten Usbekistan, Kirgisien, Turkmenistan, Tadschikistan und Kasachstan
unterwegs. Kamerafrau Elke Werry drehte auf 5000 Meter hohen Ge birgspässen
und in 50 Grad Wüstenhitze. "Die 50 Grad hatten wir teilweise schon um
sechs Uhr morgens", erzählt Girrbach, der Wert darauf legt dass es in
seiner Firma keine Hierarchie gibt. "Wir sind ein Quartett, zu dem auch
noch unser Cutter Manfred hinke gehört." Was die Vier mitgebracht haben
aus den fernen Ländern, sind faszinierende Einblicke in eine uralte Kultur-Region.
Samarkand - das steht für Bubenträume von großen Abenteuern, für islamische
Baukunst, für schmucke Karawanen, für Reiterhorden. Ein mythischer Ort
an der legendären Seidenstraße. 70 Jahre gehörte Zentralasien zur Sowjetunion.
Als die zusammenbrach, wurden die fünf ehemaligen Sowjetrepubliken unabhängig.
Abseits offizieller Kanäle Die "Along Mekong"-Crew wusste, wie sie vorgehen
musste. "Lass dich auf die Menschen ein", sagt Girrbach, "abseits offizieller
Kanäle erreicht man viel, wenn man sich zu den Einheimischen setzt". So
berichtet er, wie das Team im Norden von Kasachstan eine zunächst wideirufene
Drehgenehmigung in der Eisenbahn bekam. "Eine Nacht mit viel gemeinsam
vertilgtem Wodka hat uns da weitergebracht " Der Name "Along Mekong" stammt
aus der Zeit um 1992/1993, als das Team als erstes einen Film im neuen
Südostasien drehte, "das sich eben der Welt geöffnet hatte". Damals schlugen
die Heidelberger so renommierte Firmen wie National Geographic und die
Cousteau-Produktion. ' "Drei Wege nach Samarkand", Bayerisches Femsehen,
samstags um 20.15 Uhr: ·
Die Spur des Propheten: 7. Oktober. ·
Die Spur der Seide: 14. Oktober. ·
Die Spur der Reiter: 21. Oktober
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| NEUE
ZÜRCHER ZEITUNG
26.01.02 |
Vorzügliche
Annäherungen an Samarkand
vss. Mittelasien - für viele
hierzulande ist die ausgedehnte Region zwischen Europa Nahost, Indien,
China and Russland terra incognita. Wäre sie nicht einst Mittelpunkt der
historischen Seidenstrasse und, in jüngster Zeit, Aufmarschgebiet für
die Einsätze in Afghanistan gewesen, wüssten wahrscheinlich noch viel
weniger, wo Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan, Kasachstan und Kirgistan
liegen. Stellt man solches in Rechnung, haben die Heidelberger Along Mekong
Productions um Bernd Girrbach und Rolf Lambert über drei Wochenenden hinweg
im Bayerischen Fernsehen veritable Bildungs- und Aufklärungsarbeit geleistet.
In den drei einstündigen Reportagen "Drei Wege nach Samarkand" haben sie
die dortige Welt unter politischen, wirtschaftlichen und kulturellen,
Aspekten vorgestellt, die Geschichte wie die Gegenwart. Auf drei Wegen
näheren sie sich dem historischen Zentrum und erschlossen so Stück für
Stück das Land, porträtierten die Leute. Die erste Etappe führte von Westen
her auf Samarkand zu und dokumentierte das Vorrücken des die Region noch
heute prägenden Islams. Der zweite, im Osten einsetzende Weg öffnete den
Blick für die wirtschaftliche Entwicklung - die Stichworte waren da Seide
und Baumwolle. Der dritte schliesslich folge, von Norden her, den Spuren
der wilden Reiterhorden, welche einst die kulturelle Basis der Region
legten. Jede dieser vorzüglichen Reportagen vermittelte umfassende Einblicke.
In "Der Weg des Islams" wurden muslimische Hochburgen wie Buchara und
Merw besucht. Gewaltige Moscheen, Mausoleen und Medresen (Hochschulen)
bezeugen sowohl eine grosse Vergangenheit wie den Fixpunkt für eine neue
Identität nach dem Zerfall der Sowjetunion. Mächtige: Architekturen, feine
Keramik und prächtige Farben erzählen von der Erhabenheit einer Kultur,
die heute wieder zum Leben erwacht. Und ganz en passant flochten die Autoren
hier ein, wie sich weitab vom arabischen Zentrum der Weltreligion ein
eigenständiger, gemässigter und volkstümlicher Islam her ausgebildet hat.
Ebenfalls zu erfahren war -- eine selbst kunstwissenschaftlich geschulten
Betrachtern nicht sehr geläufige Erkenntnis --, dass die bekannten Herrscher-
und Heiligenmausoleen der muslimischen Welt auf die kubusförmigen Bauten
Zentralasiens zurückzuführen sind. Fein miteinander verwoben, bezeugten
auch die zweite und die dritte Reportage Facetten jenes Raumes und seiner
Kultur. In "Der Weg der Seide" standen die weiten eindrucksvollen Landschaften,
die hohen Berge und fruchtbaren Taler im Mittelpunkt, ebenso wie alte
Herrscherstädte, Markt - und Umschlagplätze, in denen stets der Handel
zwischen Ost und West, Nord und Süd blühte. Und natürlich die beiden wichtigsten
Produkte: Baumwolle und Seide. Von ihrer Erzeugnis und dem Export vermochte
man sich ein anschauliches Bild zu machen anhand von Einblicken ins dörfliche
Leben, in Familien - und. Staatsbetriebe, deren Alltag einiges mitteilte
von den Schwierigkeiten, sich auf dem freien Markt behaupten zu können.
"Der Weg der Reiter" beschäftigte sich darin mit Eroberern- wie Dschingis
Khan sowie Traditionen wie der Gastfreundschaft - einerseits eine Reportage
über die Lebensformen der Ahnherren, anderseits über das Heute, in dem
diese Traditionen weiterwirken. Am Ende jeden Berichts: Samarkand, die
Metropole Timurs, die ("schönste Stadt der Welt", die "Perle des Orients".
Von der einstigen Grösse zeugen noch heute die prachtvollen Kuppeln, vor
allem deren in der gleissenden Sonne strahlendes Blau. Wie keine andere
Stadt der Region war Samarkand politisches, wirtschaftliches und kulturelles
Zentrum, Hauptstadt vieler mächtiger Herrscher, Umschlagplatz wertvoller
Waren und Hochburg von Kunst und Wissenschaft; dass im 14. Jahrhundert
Gelehrte die Länge des Jahres bis auf 55 Sekunden genau zu berechnen wussten,
war nur eine der hier unaufdringlich beigegebenen Informationen. AIle
diese Attribute hatten gültigkeit bis zur Machtübernahme der Sowjets.
Heute erinnert man sich wieder an sie und sucht ihnen aufs Neue gerecht
zu werden. Vielleicht tragen Dokumentationen wie "Drei Wege nach Samarkand"
mit dazu bei, dass man dies auch in anderen Teilen der Welt langsam zur
Kenntnis nimmt. (Bayern 3, 5., 12., 19. Jan.) |
SPIEGEL
Nr. 36/01.09.03
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360
Grad - die Geo Reportage: Mission Nordkorea
(Spiegel
TV-Vorschau,Seite 85)
Wenn der Zuschauer es nicht
wie in dieser stillen und eindringlichen Reportage von Elke Werry und
Bernd Girrbach mit eigenen Augen sehen könnte, er würde nicht
glauben, dass es einen Ort auf der Welt gibt, an dem Irrsinn und Elend
so schrecklich herrschen wie in Nordkorea.
Die Reporter begleiten einen Verantwortlichen der Gesellschaft für
Technische Zusammenarbeit (GTZ), der in Kinderhorten, Läden und sozialistischen
Wohnsilos die Verteilung von Rindfleisch aus Deutschland an die hungernde
Bevölkerung kontrolliert. Zwar werden Unkorrektheiten nicht festgestellt,
aber die Tristesse des von der Welt abgeschotteten Landes wird sichtbar:
im Wachstum zurückgebliebene Kinder, Rohbauten mit eisigen Wohnungen
ohne Strom und Heizung, wegen Energiemangel verdorrte Reisfelder.
Gespenstisch die Gegenwelt
zum Elend: der stalinistische Kitsch mit der Vergötterung von Kim
Il Sung und seinem heute herrschenden Sohn. Dazu bietet der Film einen
grotesken Höhepunkt: Eine bildschöne, regimetreue Polizistin,
fanatisch von der politischen Richtigkeit der herrschenden Ideologie überzeugt,
dirigiert mit zackigen Gebärden den Verkehr auf einer fast unbefahrenen
Kreuzung - der gespenstische Veitstanz aus einem Totenhaus. |